Scheidung Trennungsjahr

Trennungsjahr und Scheidung

In Deutschland gilt bei Scheidungen das sogenannte Zerrüttungsprinzip.
Es wird also nicht mehr gefragt, wer am Scheitern der Ehe schuld ist, sondern ob die Ehe als zerrüttet angesehen werden kann.

Danach gilt eine Ehe als gescheitert und kann geschieden werden, wenn die Lebensgemeinschaft der Eheleute nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wieder herstellen.
Für die Frage, ob eine Ehe gescheitert ist, ist entscheidend, ob die Eheleute getrennt leben und wie lange die Trennung andauert.

Die Eheleute leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Ehegatte sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt.

Zieht also einer der beiden Eheleute aus der bisherigen Ehewohnung aus und hat er die Absicht, nicht mehr zurückzukehren, so beginnt an diesem Tage das Getrenntleben.
Jedoch ist auch ein Getrenntleben innerhalb der ehelichen Wohnung möglich.
Es muss dann eine "Trennung von Tisch und Bett" erfolgen, die Räume der Ehewohnung müssen bis auf Küche und Bad aufgeteilt sein, gegenseitige Versorgungsleistungen dürfen nicht mehr erbracht werden.

Um das Scheitern der Ehe festzustellen und damit die Ehe scheiden zu können, muss diese Trennung im Regelfall mindestens ein Jahr andauern.
Man spricht hier von Trennungsjahr.
Kurze "Versöhnungsversuche" unterbrechen den Ablauf des Trennungsjahres nicht.

Ferner haben die Eheleute während des Trennungsjahres die Gelegenheit, Folgesachen der Scheidung möglichst einvernehmlich zu regeln.
Erfahrungsgemäß heilt auch hier die Zeit manche Wunden und einvernehmliche Regelungen kommen am Ende des Trennungsjahres eher und besser zu Stande als unmittelbar nach der Trennung.

Nur ausnahmsweise kann eine Ehe vor Ablauf des Trennungsjahres geschieden werden.
Dies ist dann möglich, wenn das Abwarten des Trennungsjahres für denjenigen, der geschieden werden will, eine "unzumutbare Härte" darstellt.
Dem Betroffenen darf es nicht zumutbar sein, "auch nur einen Tag länger" mit dem anderen verheiratet zu sein.
Dies kommt in Betracht bei schweren Straftaten gegen den Ehegatten, dessen Angehörigen oder gegen die Kinder.
Die Aufnahme einer sexuellen Beziehung zu einem Dritten (sog. Ehebruch) wird heute kaum noch als Grund angesehen, die Ehe vor Ablauf des Trennungsjahres zu scheiden.

Leben die Eheleute länger als ein Jahr getrennt, wollen sie beide geschieden werden und haben sie sich über die elterliche Sorge für die Kinder, den Unterhalt, den Hausrat und die eheliche Wohnung geeinigt, so wird unwiderleglich vermutet, dass die Ehe gescheitert ist (einvernehmliche Scheidung).
Das Familiengericht muss die Ehe dann scheiden.

Leben die Eheleute länger als ein Jahr getrennt, lehnt aber einer von beiden die Scheidung ab (streitige Scheidung), so kann die Ehe geschieden werden.
Der Scheidungswillige muss den Richter dann davon überzeugen, dass mit der Wiederaufnahme der ehelichen Lebensgemeinschaft nicht mehr zu rechnen ist (z.B. weil er eine neue feste Beziehung eingegangen ist) und die Ehe daher gescheitert ist.
Gelingt ihm dies, so ist die Ehe auch gegen den Willen des anderen zu scheiden.

Leben die Eheleute mehr als drei Jahre getrennt, so kann der andere die Scheidung praktisch nicht mehr verhindern.
Bei mehr als dreijähriger Trennung wird das Scheitern der Ehe unwiderlegbar vermutet.
Die Ehe wird dann auch gegen den ausdrücklichen Willen des anderen geschieden.

Nur wenn ganz außergewöhnliche Umstände vorliegen, die für den nicht scheidungswilligen Ehegatten eine so schwere Härte darstellen, dass die Aufrechterhaltung der Ehe ausnahmsweise geboten erscheint, kann trotz des Feststehens des Scheiterns der Ehe von einer Scheidung der Ehe abgesehen werden.
Als solche "Härtegründe" kommen beispielsweise schwere Erkrankungen, langjährige gemeinsame Pflege eines behinderten Kindes, existenzbedrohende Wirkung der Scheidung mit Selbstmordgefahr in Betracht.
Es handelt sich also um eine Regelung für absolute Sonderfälle.


Autor:
RA Gerhard F.
Erlangen